Wir werden zeitig wach. Vor unserem Fenster parkt lautstark ein Transporter ein, um den kleinen Supermercado mit frischen Waren zu beliefern. Zudem ist eine große Kehrmaschine auf der Straße unterwegs und putzt dieses Tarifa für den neuen Tag heraus. Die Handy-Uhr zeigt 9:00 Uhr. So richtig bequem waren die Ausklapp-Betten im Las Magaritas nicht. Aber für die eine Nacht war es völlig in Ordnung. Nachdem wir alle im Bad waren, entschließen wir uns, erste Gepäckstücke in den Caddy zu bringen. Als wir unten am Empfang vorbei kommen, hat man die gute Nachricht für uns, dass wir erst um 12:00 Uhr aus-checken müssen. Da es im Las Magaritas kein Frühstück gibt, entscheiden wir uns, auf die Suche nach nem Kaffee und etwas Essbaren zu gehen. Und so schlendern wir los, hinein in unsere neue Lieblingsstadt. Der Himmel ist heute Morgen noch etwas wolkenverhangen, aber es ist angenehm warm. Die kleinen Läden machen gerade auf und die Gassen füllen sich mit ersten Touristen. Aber auch viele Einheimische sind unterwegs. Wie sich das wohl anfühlt, hier dauerhaft zu leben, in diesem südlichsten Ort Europas? Für uns jedenfalls nicht die schlechteste Vorstellung. Da wir wieder planlos unterwegs sind und unbewusst den Einheimischen hinterherlaufen, finden wir uns nach ein paar Minuten in einer Markthalle wieder, in der schon einiges los ist. An bunten Verkaufsständen werden Früchte aller Art, Gemüse und auch Blumen angeboten. Überall duftet es. Frisches Brot und leckeres Süßgebäck wird am Bäckerstand angepriesen, riesige Schinken sind einen Stand weiter aufgehängt und unterschiedlichste Salami-Würste liegen in der Auslage. Und an jedem Stand viele Menschen jeden Alters, die sich im intensiven Verkaufsgespräch oder einfach nur im Plausch über die neuesten Neuigkeiten befinden. Am beeindruckendsten ist der Fisch- und Meeresfrüchte-Verkauf. Hier werden neben Schalentiere aller Art, fangfrischer Fisch, Garnelen und Hummer angeboten. Gerade wird ein riesiger, frischer Thunfisch angeliefert. Ohne etwas zu kaufen, halten wir uns ewig in dieser Markthalle auf und bestaunen nicht nur das vielfältige Angebot, sondern auch das bunte Treiben rund um die Verkaufsstände. Irgendwann gelangen wir durch einen Seitenausgang wieder in die engen weißen Gassen.
Und nachdem wir noch ein wenig planlos vor uns hin streunen, wissen wir, als wir vor dem „Andrea Brunch“ stehen, dass wir richtig sind und hier ein ausgezeichnetes Frühstück bekommen werden. Wir sichern uns einen Vierer-Tisch mit hohen Barhockern direkt draußen an der Straße. Die freundliche Bar-Betreiberin nimmt die Bestellung in unserem gebrochenen Spanisch geduldig auf. Es dauert nicht lange und wir haben vier frisch gepresste Orangensäfte mit Eiswürfeln und zwei ganz hervorragende Café con Leche auf dem Tisch stehen. Und während wir WhatsApp-Nachrichten aus der Heimat erhalten, in denen geklagt wird, dass der aktuelle wohl einer der am meisten verregneten Sommer der letzten Jahre in Brandenburg sei, reist der Himmel über Tarifa gerade auf und die Sonne lässt die Altstadt erstrahlen. Die freundliche Bar-Betreiberin hat uns in der Zwischenzeit eine fruchtige Frühstücksbowl, frische Bikini Toasts und leckere Crêpes mit Nutella und Bananen hin gestellt. Wir haben schon vor unserer Reise geahnt, dass Tarifa eine tolle, kleine Stadt sein wird. Dass es aber eine derartige Perle ist, die wir für immer emotional in unser Herz schließen werden, hätten wir nicht vermutet. Wir genießen jedenfalls die letzten Stunden hier unten an der Süd-Spitze Europas. Etwas wehmütig sind wir, weil wir uns heute vom Mittelmeer verabschieden müssen. Jenes Meer, dass uns in den letzten Tagen an den unterschiedlichen Orten und in den verschiedenen atemberaubenden Landschaften, eine so tolle Zeit bereitet hat. Gleichzeitig freuen wir uns auf alles, was noch auf uns wartet. Denn heute ist es soweit: Wir wollen wirklich rüber nach Portugal! Endlich Karo treffen! Unser Ziel ist zum Greifen nahe. Bei einem zweiten Café con Leche machen wir die Reiseplanung. Die Karten-App des Apfel-Telefons berechnet uns, dass wir um 16:30 Uhr bei Karo sind, wenn wir um kurz vor 12 hier in Tarifa los kommen. Wir bezahlen also, schlendern noch einmal am Hafen entlang, lassen den Blick zum Abschied noch einmal Richtung Osten über das türkis-strahlende Mittelmeer schweifen und begeben uns dann zurück zu unsrem Caddy. Wir wuchten die restlichen Dinge aus unserem Hostal-Zimmer, checken im Las Magaritas aus und decken uns im kleinen Supermarkt noch mit ein paar kühlen Getränken für die Fahrt ein.
Und dann rollt der Caddy wieder los. Schnell haben wir die Stadt hinter uns gelassen, es geht nun am Atlantik entlang in nord-westliche Richtung. Der Ausblick auf den weiten Sandstrand, mit seinen tausenden Kitesurfern ist spektakulär. Wir fahren nun über eine gut ausgebaute Bundesstraße durch bergiges Terrain in Richtung Cadiz und Jerez de la Frontera. Als wir an Cadiz vorbei kommen, ahnen wir, dass das eine weitere Stadt sein wird, die unglaublich sehenswert ist, die wir aber einfach links liegen lassen. Kurz vor Jerez kommen wir zurück auf die Autobahn die nun in Richtung Sevilla führt. Wir kommen gut voran, kaum ein Fahrzeug ist außer uns unterwegs. Immer wieder überholen wir Kleintransporter, die Obst und Gemüse geladen haben. Auf dem Mittelstreifen der Autobahn blüht kilometerweit der Oleander. Peter Fox, Nina Chuba, Aki Bosse und Clueso begleiten uns musikalisch über die Caddy-Box. Und dann erreichen wir Sevilla. Jene Stadt, die im Jahr zuvor Schauplatz des Europapokalsieges von Eintracht Frankfurt wurde. In jener Nacht, in der die beste Mannschaft weltweit die Glasgow Rangers im Elfmeterschießen in die Knie zwang und Kevin Trapp, Raffa Borré und Seppel Rode (mit seinem Turban-Verband) Legenden-Status erreichten. Nicht nur deswegen wäre sicher auch Sevilla sehenswert gewesen. Diese drittgrößte Stadt Spaniens am Guadalquivir, die nicht nur Hauptstadt Andalusiens ist, sondern auch als Wiege des Flamencos gilt und über eine beeindruckende Altstadt verfügen soll. Aber auf unserem Weg nach Portugal kann uns nun auch diese Metropole nicht mehr aufhalten. Also dachten wir zumindest. Denn wir finden uns kurz darauf in einem großen Stau wieder. Es geht im Schritttempo vorwärts. Als wir auf die große Brücke über den Guadalquivir schleichen, können wir einen Blick auf das Estadio Benito Villamarín erhaschen, die Heimspielstätte von Betis Sevilla. Das Estadio Ramón Sánchez Pizjuán, der Ort des Frankfurter Europapokal-Triumphes und gleichzeitig die Heimspielstätte vom FC Sevilla, suchen wir jedoch vergebens in der Silhouette von Sevilla, die sich rechts neben uns auftut.
Und was soll man sagen? Staus nerven! Auch wenn man schon fast zwei Wochen Urlaub hinter sich hat und eigentlich tiefenentspannt ist. Da es hier aber gar nicht vorwärts geht, ist die Stimmung im Caddy mäßig. Irgendwann haben wir uns über die Brücke gekämpft, die Autobahn führt nun mitten durch gigantische Wohnsiedlungen. Meter für Meter quälen wir uns vorwärts. Irgendwann kommen wir an ein Autobahnkreuz, an dem es geradeaus in Richtung Madrid geht. Die Navi-App leitet uns aber auf die andere Autobahn in Richtung Huelva. Zum Glück, denn nun rollt es wieder. Zwar immer noch schleppend, aber es geht immerhin stabil voran. Vorbei an IKEA, an Burger-King und an Mercadona. Irgendwann lichtet sich die Stadt und der Verkehr nimmt ab. Nun geht es durch eine von Getreidefeldern geprägte Landschaft zügig vorwärts, wir atmen auf. Und nun ist tatsächlich Portugal ausgeschildert. Nur noch wenige Kilometer!

















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